Was ist ein Messkonzept?
Ein Messkonzept definiert die strukturierte Anordnung und Konfiguration aller Messpunkte an einem Netzanschlusspunkt. Es legt fest, welche Zähler an welcher Stelle verbaut werden und wie sämtliche Energieflüsse – Erzeugung, Verbrauch, Einspeisung, Speicherung – korrekt erfasst werden.
Messkonzepte werden vor allem dort benötigt, wo standardisierte Lösungen an Ihre Grenzen stoßen: bei Erzeugungsanlagen, Batteriespeichern, Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen oder Kombinationen davon. Sie schaffen eine klare Übersicht über alle Energieflüsse am Standort.
Die Entscheidung über das passende Messkonzept liegt beim Anlagenbetreiber bzw. Anschlussnehmer. In der Praxis wird es gemeinsam mit dem Messstellenbetreiber und dem Netzbetreiber abgestimmt.
Warum brauchen Erneuerbare Energien individuelle Messkonzepte?
Dezentrale Erzeugung, Speicher, Elektromobilität, steuerbare Verbraucher und Drittbelieferung erzeugen komplexe Energieflüsse, die präzise gemessen werden müssen. Ohne ein passendes Messkonzept drohen:
- Fehlerhafte Abrechnungen gegenüber Netzbetreiber und Energieversorger
- Verstöße gegen regulatorische Vorgaben (EEG, KWKG, EnWG)
- Verpasste Optimierungspotenziale bei Eigenverbrauch und Lastmanagement
- Probleme bei der Inbetriebnahme und Abnahme durch den Netzbetreiber
Ein korrekt geplantes Messkonzept stellt sicher, dass alle Energieflüsse transparent erfasst, korrekt abgerechnet und optimal genutzt werden.
Die wichtigsten Messkonzept-Typen
Je nach Anlagentyp, Leistung und Nutzungsszenario kommen unterschiedliche Messkonzepte zum Einsatz:
Volleinspeisung
Bei der Volleinspeisung wird die gesamte erzeugte Energie ins Netz eingespeist – es findet kein Eigenverbrauch statt. Typisch für Anlagen ab 20 kWp, bei denen der Betreiber die vollständige Vergütung nach EEG oder KWKG erhält.
- Bidirektionale Zähler zur Erfassung von Einspeisung und Bezug
- EEG-/KWKG-konforme Abrechnung
- Geeignet für reine Einspeiseanlagen ohne Vor-Ort-Verbrauch
Volleinspeisung mit Verbrauch
Variante der Volleinspeisung am gemeinsamen Netzverknüpfungspunkt. Die gesamte Erzeugung wird eingespeist, gleichzeitig existiert ein separater Verbrauch am selben Anschlusspunkt.
- Bidirektionale Messung durchgehend erforderlich
- Separate Zähler für Erzeugung und Verbrauch
Überschusseinspeisung
Typisches Konzept für neue Anlagen ab 30 kWp. Der erzeugte Strom wird primär selbst verbraucht, nur der Überschuss wird ins Netz eingespeist. Der Eigenverbrauch ergibt sich als Differenz zwischen Erzeugung (Z2) und Einspeisung (Z1).
- Netzbezug und Einspeisung über Z1 erfasst
- Eigenverbrauch = Z2 (Erzeugung) minus Z1 (Einspeisung)
Überschusseinspeisung mit Erzeugungsmessung
Erweitertes Konzept, das mit Speichern, Ladeinfrastruktur und weiteren Erzeugungsanlagen kombinierbar ist. Die vollständige Erzeugungsmessung ermöglicht eine detaillierte Zuordnung der Energieflüsse.
- Kombinierbar mit Speicher, Wallbox und weiterer Erzeugung
- Komplexeres Messkonzept mit mehreren Zählpunkten erforderlich
Kaufmännisch-bilanzielle Weitergabe (§11 Abs. 2 EEG)
Dieses Konzept kommt nur als Ausnahme in Betracht, wenn ein messtechnisches Konzept nachweislich nicht umsetzbar ist. Beide Zähler (Z1 und Z2) müssen als RLM-Zähler (registrierende Leistungsmessung) ausgeführt werden.
- Nur zulässig, wenn Konzept 1 nachweislich unmöglich
- Z1 und Z2 als RLM-Zähler vorgeschrieben
Individuelle Sonderlösungen
Für nicht-konventionelle Kombinationen aus Erzeugung, Speicher, Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen und Drittbelieferung werden maßgeschneiderte Messkonzepte entwickelt.
- Maßgeschneidert für komplexe Anlagenkonfigurationen
- Abstimmung mit Netzbetreiber und ggf. Regulierungsbehörde
Messkonzepte für Speicher
Batteriespeicher spielen eine zentrale Rolle in der Energiewende und erfordern spezifische Messkonzepte. Die Integration hängt vom Einsatzzweck ab:
Erzeugungsnahe Speicher
- Integration in Wind- und PV-Parks
- EEG-konforme Messkonzepte
- Optimierung der Einspeisevergütung
Netzverteilte Speicher
- Engpassmanagement und Netzentlastung
- Blindarbeitskompensation
- Primärregelleistung
Industrielle Speicher
- Spitzenlastkappung (Peak Shaving)
- Eigenverbrauchsoptimierung
- Lastmanagement und Flexibilitätsvermarktung
- Befreiung von doppelten Netzentgelten für 20 Jahre
Der Prozess: Von der Planung bis zum Betrieb
Planung
Analyse der Anlagenkonfiguration, Identifikation aller Energieflüsse und Auswahl des passenden Messkonzepts. Dabei werden Erzeugungsanlagen, Speicher, Ladeinfrastruktur und Verbrauchsstrukturen berücksichtigt.
Installation
Fachgerechter Einbau aller Messpunkte gemäß dem abgestimmten Messkonzept. Zähler, Wandler und Kommunikationstechnik werden nach den Vorgaben des Netzbetreibers installiert.
Abstimmung mit Netzbetreiber
Das Messkonzept wird dem zuständigen Netzbetreiber zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt. Nach erfolgreicher Abstimmung erfolgt die Inbetriebsetzung.
Wartung & Betrieb
Laufender Betrieb der Messtechnik mit regelmäßiger Wartung, Eichfristen-Überwachung, Marktkommunikation und Datenbereitstellung. Bei Änderungen am Anlagenkonzept wird das Messkonzept angepasst.
